bushcraft-test: schnee schmelzen

zu den alltäglichen übungen beim bushcraften im winter gehört, schnee zu schmelzen um daraus trinkwasser zu gewinnen. das wollte ich heute auch mal testen, und so ging es bei -3 Grad (-7 windchill) in die isar-auen.

doch zuerst mal die vorbereitung zuhause: weil ich heute auch meinen hildegard-brotfasten-tag habe, hieß es erstmal dinkelsemmeln backen und den sonstigen reiseproviant herrichten. zwei semmeln, einen halben apfel und ein paar mandeln hab ich mitgenommen. dazu einige der kiefernzweige vom letzten ausflug für den tee.

diesmal wollte ich auch meine bushbox ul mitnehmen und mit trockenbrennstoff betreiben. wie die großen hab ich dann sorgfältig meinen (kleinen) rucksack gepackt und gewogen (5 kg):

dann gehts los! ich hab 3 schichten an den beinen an, 3 am oberkörper, dicke fäustlinge aber durch den eisigen wind friert mich schon nach wenigen metern am kopf! die gestrickte mütze ist viel zu wenig. ich überleg schon umzukehren, da find ich in den tiefen meiner veganen winterjacke noch eine richtig dicke vlies-mütze. die ist normalerweise viel zu warm und ich schwitze darin, aber heute ist sie genau richtig. so sticht der wind mit -7 grad gefühlter temperatur (lt. meteonews) nur noch im gesicht. vaseline wäre jetzt gut fürs gesicht, aber die hab ich heute nicht dabei. egal, beim gehen wird mir schon warm.

den weg runter zum flaucher bin ich schon so oft gegangen, heute wird mir gerade mal warm, als ich schon an der isar ankam. weil ich mich trotz fasten recht fit fühle, mach ich noch eine ehrenrunde über die talkirchner brücke, auch um die schöne schneelandschaft zu genießen. zum fotografieren ist es mir aber zu kalt.

von hinten nähere ich mich dann meiner lieblingsinsel und gehe gleich zu meinem lieblingsplatz. als ich die handschuhe ausziehe und den rucksack aufhängen will, merke ich gleich den kalten wind in den händen, und hoffe, dass es in der quechua wärmer ist, sonst bleib ich hier nicht lang. die quechua baut sich wieder mit einem knall von selbst auf, und ich muss den rucksack wieder abhängen und innen reinwerfen, weil der wind mir das teil sonst wegpustet.

innen drinnen ist es dann überraschend angenehm, nur nach unten hin brauch ich außer der isomatte noch 4 lagen schaumgummi und meine strickmütze, weil die kälte von unten reinkriecht. aber mit der unterlage und windgeschützt, läßt es sich hier im schneidersitz ganz gut aushalten. eine semmel hab ich in der innentasche meiner jacke versteckt, damit sie ausdampfen kann, aber nicht gleich eiskalt wird. so kann ich sie jetzt lauwarm genießen – herrlich!

nun kann ich mich in aller ruhe meiner kleinen bushcraft-aufgabe für heute widmen: schnee schmelzen. den bushcraft ul aufbauen geht mit den wieder kalten fingern erst beim zweiten anlauf. ich staune aber immer wieder über die geniale konstruktion, die so flach zusammenlegbar ist, ultra-leicht (daher das „ul“) und so wenigen teilen auskommt: 3 teile für die außenwände und eines für den boden.

schnee hole ich mir von einem baumstamm, das sieht so unberührt aus, und ich merke, es ist gar nicht so leicht, viel schnee in den wasserkessel zu bringen. daher helfe ich mit den fingern nach und forme kleine schneebälle, die ich dann in den kessel reindrücke. dabei schlägt aber die kälte wieder zu, dass ich froh bin den kessel so halbwegs gefüllt zu haben. ich hab schon gelesen und in den youtube videos gesehen, dass der schnee beim schmelzen enorm zusammenfällt, aber vom gefühlten gewicht her meine ich dass es passen könnte. Dann gehts los:

das feuermachen mit „flint & steel“ kommt erst dran, wenns wieder wärmer ist, so will ich das esbit mit meinem piezo-feuerzeug mit extra langem hals entzünden. doch – o schreck – es funktioniert nicht! zum glück hab ich noch ein feuerzeug dabei, so ein „altmodisches“ mit feuerstein und reibring, damit fangen dann die weißen würfel feuer – yeah!

es dauert nicht lange, da steigt aus der öffnung des wasserkessels schon dampf auf, aber das wasser kocht noch nicht, das ist nur der wasserdampf, der an der kalten luft kondensiert. aber ich seh schon, wie der schnee geschmolzen ist, und lege noch ein paar schneebällchen nach.

immer wieder kontrolliere ich den brennstoff, und lege insgesamt 6 x 4g esbit rein. für solche aufgaben sind wohl die großen 14g würfel viel besser geeignet. und – tataa – kurz darauf kommt auch aus dem kleinen löchlein im deckel wasserdampf raus, und tatsächlich, es kocht! yippieh, ich habe wasser gekocht! (über was man sich hier so alles freuen kann!). anhand der dateiinformationen der fotos werde ich später sehen, dass es 12 minuten gedauert hat den schnee für gut eine tasse zu schmelzen und zum kochen zu bringen. es ist mir viel schneller vorgekommen!

die kiefernzweige hab ich der einfachheit halber ohne kleinschneiden in den teebecher gelegt, und auch einen improvisierten deckel dafür eingepackt. schaut schon mal gut aus, nicht wahr? während der tee zieht, kann ich auch meine hände an der tasse wärmen, das tut gut!

der tee schmeckt herrlich, viel besser als zuhause, auch mit gefiltertem wasser. das schneewasser ist halt doch viel weicher. ich frage mich allerdings, woher die brösel am tassenboden kommen. entweder hat der schnee doch sand enthalten, oder in der kanne waren noch kalkreste, weil ich sie am ammersee letztes jahr oft in betrieb hatte.

ich genieße jeden schluck dieses herrlichen tees. leider hab ich nur noch einen esbit-würfel übrig (ich hab sehr „ultraleicht“ gepackt 😉 sonst hätte ich mir noch einen aufguss gemacht.

an ein nickerchen ist nicht zu denken, denn die kälte kriecht durch die dünne isomatte sofort bis in die nieren. ich lege mich etwas auf die seite und genieße das sein in der natur. ansonsten ist es mir angenehm warm.

erst als ich beim abbauen die schöne geschützte quechua-muschel wieder verlassen muss, trifft mich der ostwind wieder mit seiner ganzen härte. ich teste trotzdem noch die neue methode den rucksack mit hilfe einer schnur und eines stück holzes am baum zu befestigen (ohne karabiner), aber vergesse wegen der kälte ein foto zu machen.

„leave no trace“ ? abschiedsbild vom lagerplatz nach dem abbau.

voller freude über die gelungene bushcraft aufgabe mache ich mich auf den heimweg.

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