4 Wochen im Intersein-Zentrum – Überblick

Die 4 Wochen im Intersein-Zentrum waren unbeschreiblich schön! Kaum mit Worten zu beschreiben, darum fang ich hier mit einem Bild an. Einzelne Themen und Episoden werden nach und nach *vertieft*.

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4 Wochen Intersein-Zentrum im Bild

Als Bild für die Gemeinschaft im Intersein-Zentrum nehme ich hier mal einen Regenbogen. Ein Regenbogen wird von vielen Regentropfen erzeugt, die das Licht auf ihre Weise brechen und ausstrahlen, und etwas größeres Ganzes entstehen lassen. So hab ich mich als ein Tropfen gefühlt, eingebettet und behütet in einer schillernden und farbenfrohen Gemeinschaft. Jeder strahlt hier auf seine ganz besondere Weise: die Hausgemeinschaft, Kurz- und Langzeitgäste, Retreat-Teilnehmer*innen – und ich durfte mit-strahlen. Alle tragen zu dem „Geheimnis vom Intersein-Zentrum“ bei, das Karl bei einem DBU-Kongress mal so formulierte: “ *Ein klar strukturierter Ablauf* und eine Gemeinschaft, die das trägt“.

Wenn wir den Regenbogen mal von links unten aus entlang wandern, so beginnen wir mit den 3 Schritten aus den Vorträgen von Karl während des italienischen Retreats:

  1. I am here and feel present (Ich bin hier und fühle mich gegenwärtig)
  2. Experience stillness & clarity (Erlebe Ruhe und Klarheit)
  3. Open up, widen and feel connected (Aufmachen, weiten und sich verbunden fühlen)

Auch wenn ich durch nun schon 6 Monate Auszeit mit intensiver Achtsamkeitspraxis schon recht gegenwärtig war, und z. B. alles Grübeln und Sorgen über die Zeit nach dem Sabbatical verschwunden war, so vertiefte sich das nochmal enorm bei meinem Eintauchen in den Intersein-Regenbogen. Jedes Tür-Öffnen und jeder Gang in den Spülraum war eine Offenbarung des Hier & Jetzt. Fragen zu der Zeit nach den 4 Wochen und freundliche Einladungen danach noch länger zu bleiben ließ ich unbeantwortet, ich genoß einfach das Sein im gegenwärtigen Augenblick, und das *nix tun*.

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Ruhe und Klarheit erlebte ich sehr viel, auch bei *Episode mit dem Waldarbeiter*: Ich hatte gerade meine Hängematte zwischen 2 starken Buchen aufgespannt, als Motorengeräusch in die Stille drang. Kurz darauf kam ein Mann in Arbeitskleidung auf mich zu mit 2 Motorsängen in den Händen: „Duad ma leid, aba i muaß Sie jedz schtörn, den Bam da muas i umschneidn“ (Hochdeutsch: „Tut mir Leid, aber ich muss Sie jetzt stören, den Baum dort muss ich fällen“). Es gibt Millionen Bäume im Bayerischen Wald, aber gerade einen der beiden, an dem ich die Hängematte befestigt hatte, musste er fällen! Ich spürte keinen Ärger, sondern packte ruhig meine Sachen zusammen und hatte Verständnis für die Nutzung des Baumes für den Lebensunterhaltes dieses Mannes.

Ja und wie im dritten Schritt beschrieben (open up, widen), öffnete ich mich für die Gegebenheiten des Hauses, auch wenn ich auf meine geschätzte Rohkost weitgehend verzichten musste, denn ich wollte mich dem Tagesablauf und den täglichen Anforderungen vollkommen hingeben.

Mein erster Beitrag zu den Farben des Intersein-Regenbogens bestand im Anleiten des

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*Bambus-Stock Qigong* (italienisch: qigong con bastoncino di bambù) um 6:30 Uhr. Ich lernte von einem italienischen Qigong-Lehrer, dass man auch mit wenig Worten Übungen anleiten kann (ein kurzes „cambio“ beim „Wechsel“ der Übung oder der Drehrichtung genügt). Von Formationstänzerin lernte ich die Fußhaltung beim Aufwärmen: Der Fuß ist gerade ausgestreckt beim Kreisen der Unterschenkel und Oberschenkel. Das verändert die ganze Körperhaltung!

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Das Männchen weiter oben auf dem Regenbogen hält den bastoncino in der einen und die Martin-Backpacker-Gitarre in der anderen Hand. So bestand mein zweiter Beitrag zum Schillern des Intersein-Regenbogens im Unterstützen des *Singens* beim Morgenkreis mit der Gitarre. Während der ersten beiden Wochen begleitete ich auch das *Namovalokiteshvara*, das wir für Philipp und andere sangen.

Danach stand Achtsames Tun auf dem Programm: Hausreinigung war meine Hauptbeschäftigung, die auch einige schöne Episoden bereithält:

Wespen greifen den Besen an

Beim Fegen eines Balkons stieß ich an die
Holzverkleidung der Wand, worauf sich 5 Wespen wie
Kampfflieger auf den Besen stürzten. Ich hielt die Luft an, und verhielt mich ganz ruhig, froh,
dass sich nicht mich als den waren Störenfried ausmachten. Nachdem Miriam, von der
Hausgemeinschaft, sicher war, alle Wespen mit Fichtenzapfenrauch aus ihren Unterschlupf
geholt zu haben, machte ich mich daran die Löcher der Holzverkleidung mit Silikon zu
verschließen. Doch Tags darauf hatten sie wieder ein neues Schlupfloch gefunden. Ich
verschloss auch dieses, und mir kam der Spruch von Albert Schweitzer in den Sinn „Ich bin
Leben, das Leben will, inmitten von Leben, das Leben will.“ Die Wespen wollten ihr Nest
bauen, und ich wollte den Gästen einen angenehmen Aufenthalt bescheren.

, *Reparieren der Klospülung*, *Bambusstöcke herrichten*. Daneben durfte ich aber auch einige Male meiner Lieblingsbeschäftigung Schnibbeln in der Küche nachgehen, und lernte was über die *Auswahl und Handhabung des Küchenmessers*.

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Auch im Garten wurde ich aktiv: Ernten von Kirschen, roten und schwarzen Johannisbeeren und auch Blaubeeren!

Immer ganz im „Now“ (Jetzt) und das „Self“ („Selbst“ / „Ego“) mit seinen Wünschen und Abneigungen trat in den Hintergrund. Wer fegt nicht gerne den Boden? Und wie steht’s mit *Wäsche waschen* ?

Wir schauten auch ausgewählte Vorträge aus dem 21-Tage-Retreat in Plum Village an, dargestellt durch den Projektor oberhalb des Regenbogens:

Um noch stärker am Leuchten des Intersein-Regenbogens mitzuwirken, durfte ich auch 2 Mal die *Leitung der Praxis* übernehmen.

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Meine Blumen wurden während der ganzen Zeit ausgiebig gewässert, besonders am 6. Juli, wo mein *Continuation Day* auf ganz besondere, stille und liebevolle Art gefeiert wurde. Auch erlebte ich viele Momente mit echtem *Nichts-Tun*.

„Ich danke für jeden Augenblick …“ (song von Susanne Mössinger) in diesen 4 Wochen und kann jedem nur empfehlen mal eine längere Zeit im Intersein-Zentrum zu verbringen. Die Preise sind übrigens nach Dauer gestaffelt, und aktuell gibt es in der Schrot&Korn-Zeitschrift das Angebot für einen kostenlosen Aufenthalt für eine ganze Saison, gegen Mithilfe nach Vereinbarung.

Bei all dem Ganz-Hier-und-Jetzt-Sein kam dann am Vorabend der Abreise doch ein Gefühl von Wehmut auf. Nach einem letzten Mittagessen mit veganem und glutenfreien Rhabarber-Blaubeerkuchen und vielen Umarmungen setzte sich mein weißer Golf nur rumpelnd in Bewegung, brachte mich aber sicher an den Ammersee, wo meine innere Pilgerreise weitergeht – stay tuned / bleib dran es geht weiter!

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