DBU Seminar über Sterben und Tod

Letztes Wochenende war in unserem Achtsamkeitszentrum ein Seminar der DBU (Was Buddha und Padmasambhava zum Sterben und zum Tod lehrten) und ich durfte als Kursbegleiter kostenlos daran teilnehmen. Hier ein paar Eindrücke davon.

Spannend fand ich schon mal, dass ein Mönch aus dem Theravada und eine Vertreterin aus dem tibetischen Buddhismus den Kurs leiten würden, also Sterben aus zwei Perspektiven. Hier der Zeitplan:

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Erleichtert war ich, dass Bante Sukhacitto keine Übersetzung braucht, sondern deutsch als Muttersprache spricht. Der Name ist wohl nur sein Ordensname und läßt keine Rückschlüsse auf den Geburtsort zu.

Die erste kleine Aufgabe für mich war, 28 Menschen in einem Kreis unterzubringen, wie von den Kursleitern gewünscht.  Im Unterbringen von Menschen im Achtsamkeitszentrum hab ich schon einige Übung, hier ein Foto von der „Stuhlprobe“:

Ich habe später dann den Kreis noch etwas enger gemacht mit überlappenden Matten und die Teilnehmer haben es sich dann so hergerichtet wie es Ihnen angenehm war. Im Verlaufe des Wochenende sind sogar zwei auf die Empore ausgewichen.

Der Freitagabend war schon mal sehr ergreifend mit einer Vorstellungsrunde und den Schicksalen mancher Teilnehmer zum Thema Sterben. Maren hat uns auch erzählt dass sie nicht nur Kenntnisse in der tibetischen Tradition hat, sondern als Bestatterin langjährige Erfahrung mit Sterbenden, Toten und Trauernden.

Es gab auch eine geführte Meditation an die ich mich im Wortlaut nicht mehr erinnern kann, aber ich weiß noch dass ich die nachts schlecht schlafen konnte und sehr lebhaft geträumt habe. Ich hatte auch abends keine Energie mehr mir Notizen zu machen, Sterben schlaucht schon ziemlich!

Am Samstagmorgen ging es dann gleich zu Beginn heftig zur Sache, Maren leitete uns zu einer geführten Meditation an, bei der man sich vorstellt vom Arzt selbst die Diagnose zu bekommen eine unheilbare und tödliche Krankheit zu haben und noch 6 Monate zu Leben zu haben.

Es werden darin einige Fragen gestellt, wie:

  • Wem erzähle ich das als erstes?
  • Was brauche ich jetzt?
  • Was brauche ich im Moment des Sterbens?
  • Welche inneren und äußeren Hilfen wären mir wichtig?
  • Was ist mir die nächsten 6 Monate noch wichtig und was lasse ich sein?
  • Wie reagieren die Menschen denen ich davon erzähle?

Die Meditation endete mit unserem letzten Atemzug, und wir sollten uns fragen, was in den letzten Momenten unseres Lebens in uns vorgeht.

Mir wäre das Singen von Mantren insbesondere das Namovalokiteshvara sehr hilfreich vielleicht auch Lieder die ich selber geschrieben habe? Und in der Zeit bis zum Sterben würde ich wohl entweder in das Intersein-zentrum nach Hohenau oder in das Hospiz in Weyarn wollen.

Auch die Unterstützung meiner beiden Sanghas (München und Utting) durch ihre Anwesenheit, Meditationen und Gesänge z. B. auch das neue Herz-sutra wäre mir sicher sehr hilfreich, vor, während und auch nach dem Hinübergehen.

Ganz besonders schwer stell ich mir vor, es meinen Lieben zu erzählen. Ich kann mich noch gut daran erinnern wie die Freunde meines Bruders schockiert waren, als ich ihnen von dessen Tod erzählen musste.

Nach der Ende-Glocke war ich sehr froh, dass es nur eine geführte Meditation war und ich kann mich nun etwas besser in Menschen hinein versetzen die so eine Diagnose bekommen und natürlich ist mir bewusst dass jederzeit der letzte Atemzug sein kann. Bei meiner Mutter und meinem Bruder ist es sehr sehr schnell gegangen und auch ich selber hatte als Kind schon mal einen Autounfall den ich nur mit großem Glück überlebt hatte. Ich würde durch die Luft geschleudert und überschlug mich in der Luft wie ich es zuvor beim Judo gelernt hatte. Und glücklicherweise kam ich nicht mit dem Kopf auf der Straße auf, sondern konnte mich mit dem Rücken abrollen.

Diese Meditation stammte von Christine Longaker aus dem Buch „dem Tod begegnen und Hoffnung finden„.

Und vor der Mittagspause setzte Bante Sukhacitto noch eines oben drauf und simulierte mit uns in einer geführten, 60-minütigen Meditation von Joan Halifax den gesamten Sterbeprozess. Vom schwächer Werden des Körpers über den Verlust der Kontrolle über die Körperflüssigkeiten bis zum Ende des Atmens und noch weiter. Er hat zwischendurch immer eine Glocke eingeladen um die Schlafenden zu wecken, aber bei mir hat das nicht sehr viel geholfen, ich habe das Sterben glatt verschlafen! Vielleicht gibt es sie im Netz irgendwo und kann sie dann mal noch mal ausprobieren? Für Hinweise wäre ich sehr dankbar!

Hier noch ein paar Dinge die ich an diesem Wochenende gelernt habe:

  • Ein Theravada Mönch darf sich auch von einem Buffet nicht selbst bedienen bevor er nicht explizit von einem im weltlichen Leben stehenden dazu eingeladen wurde.  Man legt dazu die vier Finger einer jeden Hand von unten an den Tisch und sagt: „Ich offeriere dir diese Speisen.“
  • 90 % der Heilung ist Vergebung sich selbst gegenüber und verzeihen gegenüber anderen
  • Samsara ist der nach außen gewandte Geist,… – Nirvana ist der nach innen gewandte Geist der seine Buddha Natur realisiert
  • Maren über Umgang mit Menschen mit Demenz und Verwirrung: sich in Erinnerung rufen:  „jeder Mensch hat Buddha-Natur“
  • Individuelles Karma: solange man seine wahre Natur nicht erkennt geht es nach dem Tod weiter
  • Täglich fünf Mal das Mantra rezitiert Bavato Samba Mangalam – mögen alle Wesen glücklich sein
  • Am Sonntag haben wir den Anicca Song von Shelly Young (?) gehört. Ich konnte ihn leider weder mit Google noch YouTube oder Amazon finden, für Hinweise jeder Art wäre ich sehr dankbar, es ist ein tolles Lied!
  • Man soll sich mit dem Betrachten von Unschönem und Leichen u.s.w. nur beschäftigen wenn es einem gut geht, ansonsten sollte man eher so wie Thay es meist empfiehlt sich den schönen Dingen zuwenden wie Blumen, Sonnenschein und so weiter
  • Es gibt eine Lehrrede, in der es heißt: „Wer Nirvana geschaut hat hat keine Angst vor dem Tod“
  • Maren : Bestattungspflichtig und -berechtigt sind nur Angehörige, Kinder, Geschwister oder Ehepartner, andere Menschen brauchen eine (formlose) Vollmacht!
  • Das Herz-Sutra wird sehr gerne bei buddhistischen Bestattungen rezitiert.
  • Manche Verstorbene wünschen sich auch eine Lebensfeier, bei der die Angehörigen feiern dass wir da waren.
  • Auch die essentielle Powa (aus der tibetischen Tradition) wird empfohlen für die Abschiedszeremonie
  • auch ein selbst verfasster Abschiedsbrief, der dann nach dem Tod vorgelesen wird.
  • Hinweise im Testament zur Bestattungszeremonie sind unbrauchbar, da dieses i.d.R. erst 6 Wochen NACH der Bestattung geöffnet wird.
  • In München empfiehlt Maren das Bestattungsinstitut AETAS, das auch für besondere Wünsche, z.B. für Buddhisten, bei der Trauerzeremonie sehr offen ist.
  • Bante hat uns provokativ verabschiedet mit „Wir werden alle sterben!“ und aber auch begrüßt mit „Schön, dass du noch lebst!“. Das hat sich zwischen Tilman B. und mir als neuer Gruß etabliert (nur der Willkommensteil!).

Ein wirklich beeindruckendes Wochenende! Ich sehe jetzt manches mit anderen Augen!

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