Qigong in Tirol

Beim Retreat in Weyarn mit Thay Phap An waren einige aus der Haller Sangha (Tirol) so begeistert vom Rückkehr zum Frühling Qigong, dass Susanna mich eingeladen hat in ihrem Studio mein Wissen darüber weiterzugeben. Hier ein kleiner Bericht über den schönen workshop, der daraus entstanden ist.

Vorbereitung

Noch während meiner Offline-Zeit in Hohenau stimmte ich mit Susanna den Termin und den Zeitrahmen ab, der 22.9.2018 von 9:30 bis 16 Uhr kristallisierten sich dabei heraus. Wir machten grob eine Arbeitsteilung, wobei sie eine geführte Meditation und eine Tiefenentspannung anbieten würde und ich das Qigong und ein paar Lieder. Susanna gestaltete einen liebevollen Flyer, wobei sie auch die Bezahlung ansprach. Ich wollte gemäß der alten buddhistischen Gepflogenheit des Theravada auf Danabasis arbeiten, d.h. salopp gesagt also gegen Spende.

Bislang hatte ich nur im Achtsamkeitszentrum 2-stündige Abendveranstaltungen angeboten, daher machte ich – wie ich es aus meiner Arbeit gewohnt war – mit einer Tabellenkalkulation einen genauen Zeitplan. Ich wollte nie länger als 1 Stunde am Stück üben, aber es sollten schon 3 Übungsphase sein, wobei die letzte als Wiederholung des gelernten in einem Stück gedacht war.

Und anders als an den Mittwoch Abenden wollte ich im ersten Teil auf die Übungen selbst fokussieren und die Vorbereitungs- und Schlussbewegung erstmal weglassen. Dabei kam in etwa der folgende Ablauf heraus:

  • Begrüßung
  • geführte Meditation (Sitzen)
  • kurze Einführung (Sitzen)
  • Übungen (Stehen)
  • Pause nach 1 h Stehen
  • Übungen (Stehen)
  • Mittag
  • Tiefenentspannung
  • Übungen in einem Durchlauf (Stehen, mit Vor- und Schlussbewegung)
  • Abschluss-Runde (Sitzen)

Für die Zeitdauer der einzelnen Übungen hatte ich schon Erfahrungen vom letzten Sangha-Wochenende in Hohenau, nur wollte ich diesmal die schwierige, aber wunderschöne Übung „Die Acht Naturformen“ mit aufnehmen. Von den insgesamt 15 Übungen kamen diese auf die Liste:

1 Atmung regulieren
2 Schütteln
3 Einseitiges Schulterdrehen
7 schwimmender Frosch
5 Acht Naturformen
6 schwebender Adler
9 schwimmender Drache
10 schwebender Phönix
12 himmlisches Rad
13 Erde Rad

Den schwimmenden Frosch hab ich aus Zeitgründen vorgezogen, damit die Acht Naturformen jeweils vor und  nach der Pause geübt werden konnten.

Moni konnte ich als Assistentin gewinnen, denn es hat sich als vorteilhaft herausgestellt, wenn man die Übungen von verschiedenen Seiten gleichzeitig betrachten konnte. Außerdem würde sie von ihren erstaunlichen Heilungserfolgen berichten.

Von Meister Zhang hatte ich die Lehr-Methode übernommen, keinen persönlich zu korrigieren, sondern die Übenden zum genauen Hinschauen zu ermuntern. Dazu müssen sie natürlich auch gute Sicht auf alle Details haben, und am besten auch rechts-links richtig, also von hinten.

Die Anreise

Ich war schon länger nicht mehr in Österreich, daher hab ich mich beim ADAC erstmal über die aktuelle Lage zu „Pickerl“ (Vignette für die Autobahn) und die Europabrücke informiert. Diese wollten wir bei schönen Wetter benutzen um zu den schönen Seen in Obernberg am Brenner zu gelangen.

Zum Übernachten buchte ich auf Empfehlung von Susanna ein Zimmer im Gasthof Badl in Ampass, auf der anderen Seite des Inns. Für 39,- pro Person und Nacht im Doppelzimmer gab es ein schönes großes Zimmer auf der Straßenseite. Mit den super-schallschluck-Fenstern war auch nix von der Straße zu hören, aber wegen der Sonneneinstrahlung war es dann doch so heiß, dass man das Fenster aufmachen musste. Draußen war dann die Nacht über doch mehr Verkehr als erwartet, sodass sich beim nächsten Mal wohl die 10,- Aufpreis für ein Zimmer auf der Fluss-Seite lohnen würden. Zumal der Inn dort auch wunderschön rauscht, wie ein richtiger Gebirgsfluss.

Abends führte uns Susanna in ein ägyptisches Restaurant in Igls, den Hanibal, mit einer Riesenauswahl an veganen Speisen, und darüber hinaus so lecker, für mich ein Feinschmecker-Restaurant! Der Inhaber und Oberkellner ist obendrein sehr freundlich und zuvorkommend.

Das Studio

Vor gut einem Jahr hatte Susanna zusammen mit zwei Freundinnen das Soul Shakti Studio gegründet, ich hatte die Räume bislang nur über facebook gesehen. Ich war sofort beeindruckt von der liebevollen Einrichtung und dem großen, hellen Übungsraum.

Es gibt auch ein eigenes Zimmer für den Lehrer, das ich nutzen durfte. Darin schwebten zwei Topfblumen ohne Topf in der Luft, fast wie bei Harry Potter die Kerzen im Festsaal in Hogwarts!

20180922_084401202937671.jpgAuch für Tee und Kekse sowie für das Buffet gab es einen eigenen Raum, der sogar zwei Umkleidekabinen hatte.

Überall stößt man auf inspirierende Texte an der Wand, sogar in der Toilette! Ein „You are beautiful“ beim Händewaschen ist schon was besonderes! Hier eine kleine Auswahl davon:

Besonders beeindruckend fand ich die Altar-Nische im Übungsraum, wo kein Buddha stand, sondern Bilder von diversen spirituellen Lehrern, wie der Dalai Lama und Thich Nhat Hanh, aber auch menschlichen Vorbildern wie Martin Luther King und Mahatma Gandhi.

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Der Workshop

Elf Menschen hatten sich im Übungsraum versammelt und nach einer herzlichen Begrüßung durch Susanna stellte ich kurz den Tagesablauf vor. Dann begann schon Susanna mit einer einzigartigen Meditation um im Körper anzukommen. Dabei wurde man u.a. eingeladen seine Hand zu heben, und sich dann zu fragen: „Woher weiß ich, wo diese Hand gerade ist?“ Bei geschlossenen Augen bleibt nur spüren, und ich spürte die Hand so deutlich und lebendig wie nie zuvor!

Thay Phap An gab uns damals einen langen Vortrag über die Entstehungsgeschichte, Hintergründe und Wirkungen des RzF, aus Zeitgründen kürzte ich dieses ab auf die folgenden Punkte:

  •  Entstehung
  • 4 Prinzipien + Keine Schmerzen, Hinsetzen bei Bedarf, sorgt für euch!
  • Keine persönlichen Korrekturen
  • Hinweis auf zhang.at + DVD + script + Videos in GAL-Blog
  • In EIAB 3 Tage für 15 Übungen, wir machen Auswahl in 1 Tag
  • Erfahrungsbericht Moni (Hashimoto und Migräne)

Letzteres konnte Thay Phap An noch nicht wissen, denn Moni war auch im Februar auf dem Seminar in Waldbröl und hörte von einer österreichischen Qigong Lehrerin, dass eine ihrer Schülerinnen Hashimoto (eine von der Schulmedizin als unheilbar eingestufte Krankheit) mit RzF heilen konnte. Daraufhin praktizierte sie es täglich und ging nach 3 Monaten wieder zu ihrem Arzt zur Kontrolluntersuchung. Und der fragte doch glatt: „Sind sie sicher, dass Sie Hashimoto haben?“.

Sie hatte auch erlebt, dass zum ersten Mal ein Migräneanfall ohne Tabletten nur durch einen Übungsabend im Achtsamkeitszentrum vorüber ging.

Wir begannen dann gut motiviert mit den Übungen, und der Zeitplan hat sich auch gut bewährt. Nur die 8 Naturformen dauerten länger als geplant. Es ist leider so, dass es manchen Menschen sehr schwer fällt, mit beiden Armen unterschiedliche Bewegungen auszuführen. Ich erklärte dazu, dass es für uns eine Achtsamkeitspraxis ist, dies zu erkennen und zu akzeptieren , und nicht darüber frustriert zu sein.

Es passten nicht alle Übungen in den Vormittag rein, und ich stelle die letzten 4 den Teilnehmer*innen zur Auswahl, man entschied sich für den dynamischen schwimmenden Drachen.

Das Mittagessen war dann für mich ein ganz besonderes highlight, weil soviele leckere vegane Gerichte mitgebracht wurden! Uschi verlas die Fünf Betrachtungen zum Essen, und wir genossen unsere Speisen, die ersten 10 Minuten in Stille. Dann nochmal nachholen, denn man konnte bei einem Durchgang gar nicht von jeder Sorte was probieren. Die 45 Minuten reichten gar nicht aus, so dass ich auf eine Stunde verlängerte.

Dann kam gleich noch ein highlight, ich hatte mir eine Tiefenentspannung gewünscht, denn nach dem Essen soll man nach Ayurveda einige Zeit ruhen. Susanna leitete diese an, etwas verkürzt, aber sehr schön und erholsam!

Zum Wecken der Lebensgeister hatte sich Susanna von mir ein Lied gewünscht, und ich sang das Mantra von Martina Weiler: „Mögen alle Wesen glücklich sein“. Ein schwungvolles Lied, das auch von der Ausrichtung gut zum RzF passt.

So erfrischt ging es in die Schlussrunde, wir machten alle Übungen hintereinander, jeweils mit Vorbereitungs- und Schlussbewegung und auch mit der von Thay Phap An ausgewählten Musik. Im EIAB gibt es die auf CD zu kaufen.

Die letzte halbe Stunde stellte ich wieder zur Diskussion: Einzelne Übungen nochmal vertiefen, Fragen, Feedbackrunde, Singen. Das Abschlusslied, Namovalokiteshvara wurde einstimmig zum Schluss gewünscht. Davor machten wir dann nochmal einen verkürzten Durchlauf mit jeweils 4 Wiederholungen. Ich musste gar nicht mehr viel erzählen, die Teilnehmer*innen hatten schnell gelernt!

Zum Schluss der Übungen noch eine Widmung:

Ich bin im Universum,

das Universum ist in mir.

Ich habe nun einen Tag Rückkehr zum Frühling Qigong geübt,

Blockaden beseitigt und das Qi, die Lebensenergie, zum Fließen gebracht,

zum Wohle von mir selbst, und zum Wohle von allen Lebewesen.

Mögen alle Wesen glücklich sein!

Ausklang

Das Spendenkörberl war reichlich gefüllt, das erste Mal Dana für eine Veranstaltung von mir und ich übte mich im Dana-Paramitra, d.h. zu erkennen, dass Gebender, Gegebenes und Empfänger eins sind. Von Thomas hatte ich schon mal einen guten Tipp zur Verwendung des Dana bekommen: Nicht spenden, denn das würde die Annahme verweigern, sondern für eine spirituelle Veranstaltung ausgeben. Im gleichen Geiste gab ich einen Teil davon an meine kundige Assistentin Moni weiter.

Abends gingen wir nochmal zum Hanibal und genehmigten uns das ägyptische Nationalgericht Foul Medammas mit einer Extra-Portion Couscous.

Am nächsten Tag dann hinauf zum Obernberg, wo auch das Wanderretreat mit Thay Phap An stattfindet. Hier ein paar Impressionen:

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Wieder zurück stärkte ich mich mit der besten Portion Pommes meines Lebens im Gasthof Waldesruh in Obernberg. Noch vor dem angekündigten Sturm fuhren wir problemlos zurück nach München und blicken auf ein wunderbares, erfüllendes Wochenende zurück. Ich komme gerne wieder!

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