Urlaubsvertretung im Intersein-Zentrum

Weil die Haussangha auf 1 Person geschrumpft ist, wurde ich gebeten für 5 Tage die Urlaubsvertretung zu machen. In einem Plumvillage Lied heißt es: „Ich bin Wasser das spiegelt, was wirklich ist und wahr …“ und so beschreibe ich hier die Fakten wie sie sich ereignet haben ohne zu werten und zu kommentieren.

Montag

Edith und ich sind gestern erst spät vom Obernberg/Brenner in Tirol zurückgekommen. Damit wir es rechtzeitig zur Gehmeditation um 16:30 nach Hohenau schaffen, wollen wir schon um 10 Uhr unsere MFG in Laim einsammeln, das heißt 9:30 bei Edith, und entsprechend früh aufstehen und Koffer neu packen. Dabei nimm ich viel zu viel mit, z. B. vier Paar Schuhe, was das Einräumen des Autos zu einem zeitaufwendigen 3D-Puzzle macht. Natürlich müssen auch 2 Gitarren samt Noten und den großen Textordnern mit (mittlerweile 2 Koffer voll). Wir machen auch nur kurz Pause in Hengersberg, damit wir vor der Gehmeditation noch das Zimmer beziehen können.

Als wir kurz nach 15 Uhr in Hohenau eintreffen, erfahren wir, dass heute Lazy Day ist, und es daher keine Gehmeditation gibt. Auch für den restlichen Tag wird keine Praxisleitung benötigt, weil außer den Mahlzeiten keine gemeinsamen Aktivitäten stattfinden.

Wir tragen unsere Namen selber auf das whiteboard ein und korrigieren die Anzahl der Menschen im Zentrum, ich mach auch ein Video davon. Die Anzahl ist hilfreich für die Küche und das Auslegen der Matten im Zendo.

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Wir nutzen die freie Zeit zu einem Spaziergang durch den Wald, auch um die Strecken für die Gehmeditationen der nächsten Tage zu erkunden. Dabei stoßen wir auch auf eine wunderschöne Familie von Fliegenpilzen:

Beim Abendessen werden wir und noch ein anderer Gast in der Reihenfolge des Eintreffens begrüßt, unsere Aufgabe hier wird nicht erwähnt. Der Ablauf des nächsten Tages wird kurz skizziert bis zum Morgenkreis, ich sitze in der Früh nicht an der Glocke. Ich möchte noch ansagen, dass ich das Rückkehr zum Frühling Qigong nach der Morgenmeditation anbieten möchte, aber das soll erst direkt nach der Morgenmeditation gesagt werden.

Um 19:30 treffe ich mich noch mit 2 Freund*innen um den Abend- und Morgengesang zu üben, so wie es hier üblich ist, also zwei singen, eine an der Cloud-Bell, der andere an der großen Glocke und ohne „Bringen wir nun … und Namo …“.

Ich erfahre, dass es täglich um 9 Uhr ein internes Treffen der Langzeitgäste gibt (ohne Leitung), Edith und ich dürfen daran teilnehmen, auch wenn wir nur eine Woche bleiben. Im Laufe der Woche werden zwei der Langzeitgäste abreisen um sich daheim zu erholen. Einer davon kommt recht bald wieder und sagt, das hätte ihm gut getan. Den anderen sehe ich nicht mehr wieder.

Abends sitze ich noch länger mit Edith zusammen und überlegen uns auf Grundlage des Wetterberichts, was wir die nächsten Tage anbieten wollen. Weil es Mittwoch kalt und windig ist, möchte Edith eine Tiefenentspannung anleiten. Donnerstag soll der wärmste Tag sein, ideal für eine Gehmeditation im Freien. Und Freitag, wenn der „Urlaub“ vorbei ist, mantrisches Singen im Yoga Raum. Ich überleg mir auch Lieder für den Morgenkreis und Übungen für die meditative Teepause.

Dienstag

Mein Wecker weckt mich um 6 Uhr, denn es gibt zur Zeit keine Weckglocke.

6:30 Geführte Meditation – Kinhan (Gehmeditation im Raum) – Stille Meditation

7:30 Nun darf ich das Rückkehr zum Frühling Qigong anbieten. Um Zeit beim Umbau zu sparen lasse ich das Grüppchen auf den Sitzmatten stehen. Später werde ich darauf hingewiesen, dass man auf den Zafutons nicht mit den Füßen stehen soll!

9:15 Beim Morgenkreis begleite ich dann das Singen wieder – wie schon bei meinem 4-wöchigen Aufenthalt – mit der Gitarre.

11:00 in der meditativen Teepause spricht die Leiterin davon, in den nächsten Tagen eine bestimmte geführte Meditation am Morgen anzuleiten. Ich beginne zu zweifeln, ob ich überhaupt noch zum Einsatz komme.

14:00 den freien Nachmittag nutzen Edith und ich um nach Freyung in die Buchhandlung mit Kaffeeecke zu fahren, ich bestelle mir einen sehr aromatischen Schwarztee mit Rosenblüten.

17:15 kurzer Vortrag – „… am Donnerstag geht’s weiter.“ Also fällt wohl auch der Donnerstag flach. Obige Zweifel werden langsam zur Gewissheit.

20:00 kurz vor der Abendmeditation bekomme ich einen Zettel in die Hand gedrückt „Die geführte Meditation wirst du morgen anleiten.“ – „Wo? Wann?“ – „Du leitest morgen die Praxis, den ganzen Tag!“

Ich passe den Ablauf auf dem whiteboard noch abends entsprechend an.

Mittwoch

Mittwoch

5:45 Jetzt gehts also doch los: Ich stehe etwas eher auf als sonst, um auch wirklich fertig zu werden und mich einzustimmen. Auch die geführte Meditation lese ich nochmal durch, weil sie neu für mich ist.

6:30 Geführte Meditation – Kinhan – stille Meditation, wie gewohnt.

7:30 Zum Rückkehr zum Frühling Qigong lasse ich die Teilnehmer*innen nun Yogamatten holen. Wir bleiben aber im großen Zendo, weil es doch ziemlich viele sind, die begeistert mitüben. Und so ist auch der Yoga-Raum frei, falls doch jemand was anderes machen will. Hinterher gibt es so viele Fragen, dass ich zu spät zum Frühstück komme. Dadurch rutscht alles nach hinten, und ich schaffe es nicht zur internen Blitzlicht-Runde.

9:15 Den Morgenkreis eröffne ich mit dem Morgengruß der Cherokee Indianer, inklusive der Bewegungen als Körperübungen – ich liebe dieses Lied! Als Schlusslied nehme ich wieder mein „Ich bin für EUCH da – Ich weiß, dass IHR da SEID, und das macht mich glücklich“, nach den ersten 2 der 4 Mantren der Liebe von Thay, nur das „Du“ durch „Euch/Ihr“ ersetzt. So passt es auch sehr schön auf die Situation in einer Gemeinschaft. Jede*r ist für alle anderen da, und die anderen für einen selbst.

11:00 Zu Beginn der meditativen Teepause leite ich das „Spüren der gehobenen Hand an“. Das hatte ich erst letzten Samstag in Hall/Tirol von Susanna gehört, und war begeistert davon. Ich hab’s aus dem Gedächtnis wiederholt, in Kürze soll Susannas Online-Retreat-Zentrum eröffnet werden, da wird das ein Bestandteil sein.

13:00 Die 5 Betrachtungen zum Essen rezitieren gehört auch zu den Aufgaben der Praxisleitung, ich hatte es auch in den 4 Wochen schon öfters gemacht.

16:30 Nun kommt Edith zum Zuge mit der Tiefenentspannung. Sie nimmt erstmalig im Intersein-Zentrum einen Text aus dem Buch „Achtsamkeit für Kinder“, wobei sie aber das „ich“ durch „du“ ersetzt. Für Kinder ist ersteres besser, aber für Erwachsene ist wohl das „du“ gewohnter.

18:00 Beim Abendessen gilt es nur noch mit 3 Klängen der Glocke das gemeinsame Essen zu einzuleiten. Und ich darf „im Namen des Hauses“ einen Neu-Zugang begrüßen.

Anschließend bekomme ich noch von der Leitung die „Blumen gegossen“, dass meine Praxis-Leitung so wunderbar ist. Nebenbei wird mir verboten die Gemeinschaft mit „Lieber Thay, …“ vor dem „liebe Gemeinschaft…“ anzusprechen. Wir wären hier nicht im Kloster, außerdem wüssten wir ja, dass Thay in uns gegenwärtig ist.

Mein Ansinnen die Gehmeditation am Donnerstag eher als um 16:15 zu beginnen wird abgewiesen. Sie soll nicht länger als 45 Minuten dauern.

Als geführte Meditation morgens soll ich das Sutra über die Belehrung des Rahula mit dem Anfang einer geführten Meditation verbinden. Wie ich die Anleitung dazu genau formuliere, wird nur skizziert.

20:00 Ich singe den Abendgesang mit meiner Mitfahrerin vom Montag (sie an der Cloud-Bell), danach Stilles Sitzen – Kinhan – offenes Sitzen.

Donnerstag

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Mir fällt auf, dass am whiteboard der Tag erst mit dem Frühstück beginnt, und ich korrigiere das entsprechend. Der Morgen beginnt wie gestern, Rahulas Belehrung klappt ganz gut.

Zum Morgenkreis beginne ich wieder mit dem Wa Taho der Cherokee und ende mit dem Assalam, einem Friedenslied von Nikomo. Wie in Utting ermuntere ich die Teilnehmer*innen sich mit je einem kleinen Schritt zur Seite in Bewegung zu setzen. Der an den Händen gefasste Kreis beschreibt so eine Drehung, und man ändert die Perspektive beim Singen.

Die Fünf Betrachtungen lasse ich nun Edith lesen (training-on-the-job), auch die Gehmeditation macht sie – 45 Minuten achtsames Gehen im Sonnenschein.

Zur Abendmeditation tausche ich dann mit meiner Mitfahrerin die Plätze, so sitze ich an der Cloud-Bell, und sie darf zur Eingewöhnung an der großen Glocke sitzen.

Freitag

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Heute lass ich es locker angehen. Mir wird angeboten, dass die Morgenmeditation jemand anderes macht, ich nehme an. Auch den Morgenkreis begleite ich nur mit der Gitarre, und die Teepause mach ich auch nicht.

Die Fünf Betrachtungen darf jemand anderes lesen und ich freue mich auf das mantrische Singen im Yoga-Raum. Wir haben 2 x 45 min vorgesehen, und es versammelt sich ein schöner Kreis zum Singen. Wir bekommen auch Verstärkung aus Utting!

Weil heute abend das Retreat mit Yeshe Regel beginnt, soll ich noch schnell nach dem Abendessen einen Kreis im großen Zendo herrichten und auch für die Meditation der Nicht-am-Retreat-Teilnehmenden das kleine Zendo im 2. Stock vorbereiten. Ich teile mir die Arbeit mit meiner Mitfahrerin und wir haben recht schnell alles fertig.

Die Zeit reicht gerade noch zum Duschen, da erklingt schon die Glocke für die Abendmeditation. Bin gespannt, wer sie heute anleitet. Ich komm hoch, und die Leitung deutet auf den einzigen freien Platz an der Glocke: „Du leitest die Meditation!“.

Samstag

Heute bekomme ich nur kleinere Aufgaben kurzfristig übertragen. Ich delegiere das meiste davon an meine beiden „Assistentinnen“ und verknüpfe das mit weiterem training-on-the-job.

Sonntag

Ein letztes Mal Rückkehr zum Frühling Qigong, ein Gespräch mit der Leitung, Packen & Putzen und schon ist wieder die Zeit für die Heimreise gekommen.

2 Kommentare zu „Urlaubsvertretung im Intersein-Zentrum

  1. Lieber Arno, es tut mir leid, dass du für dein Engagement so „belohnt“ wirst. Immer wieder machen nach meiner Erfahrung Leiter und Teilnehmer in Hohenau die Erfahrung, dass sie wegen Kleinigkeiten gemassregelt werden. Keine schöne Erfahrung in einem Zentrum von Thay. Weil es seinen Geist verfälscht. Da werte ich ganz bewusst.
    Ich persönlich fühle mich aus diesen Gründen in dem Haus nicht wirklich wohl.
    Wäre da ein ehrliches Feedback vielleicht eine gute Sache?
    Marie

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