Sangha Wochenende im Bayer. Wald – die Praxis funktioniert!

Mit der Gemeinschaft für achtsames Leben Bayern e.V. sind wir letzten Donnerstag bis Sonntag für ein verlängertes Wochenende in das Intersein-Zentrum bei Hohenau im Bayer. Wald gefahren. Hier nur die highlights.

Bambusstock Qigong

Wie schon bei meinen letzten Aufenthalten dort hab ich in der Frühe wieder das Bambusstock-Qigong angeleitet. Durch die eisigen Temperaturen von gefühlten -6°C (windchill nach wetteronline.de) ergaben sich einige neue Herausforderungen und Lösungen.

Um dem gröbsten Wind zu entgehen, stellten wir uns nahe an den Garagen auf, leider pfiff der Wind oft um diese herum und zwischen den beiden Gebäuden hindurch. Allerdings war das auch der Streifen, der die ersten Sonnenstrahlen abkriegte. Die 5, 7 und am Sonntag 3 Teilnehmer*innen erwarteten dann schon sehnsüchtig den Moment, als die Sonne hinter dem Hügel der Nachbarortschaft auftauchte und uns dann mit ihren warmen Strahlen nicht nur das Gemüt erwärmte.

Vom ital. Qigong-Meister „Pino“ schaute ich mir die wortkarge Art des Anleitens ab, um meine Stimme vor der kalten Luft zu schützen. Ein knappes „Wechsel“ beim Ändern der Drehrichtung, oder dem Wechsel der Seite genügt! Nicht „Letztes Mal auf dieser Seite“ oder so! Generell sollten die Übenden sich mehr auf das achtsame Beobachten stützen, als auf meine Erklärungen. Und Hinweise zur Korrektur gab ich nur bei Fehlern, die Verletzungen bewirken könnten.

Ab dem zweiten Tag führte ich dann auch den Profi-Modus ein, d.h. wir machten immer 4 Übungen direkt hintereinander, und erst dann das Nachspüren in der Grundstellung. Auch ganz neue Teilnehmer*innen kamen damit gut zurecht, und ich brauchte auch die Zeit nicht für große Erklärungen vorher. Ein schöner Nebeneffekt war, dass wir nach einer 3/4tel Stunde mit allen 16 Übungen durch waren! So hatten wir auch noch Zeit für die Schlusswidmung, so wie ich sie auch beim RzF Qigong in Tirol gemacht hatte (Ich bin im Universum, das Universum ist in mir. Ich habe nun eine dreiviertel Stunde Bambusstock-Qigong geübt, Blockaden beseitigt und das Qi, die Lebensenergie, zum Fließen gebracht, zum Wohle von mir selbst, und zum Wohle von allen Lebewesen. Mögen alle Wesen glücklich sein!).

 

Mantrisches Singen

Ich hatte die folgenden songs auf der Liste:

  • frei sein wo immer wir sind
  • bobo male
  • binamo
  • Unborn and indestructible
  • O great spirit
  • Worte können tausende von Kilometern reisen
  • doe doe
  • om srim mahalakshmyai
  • you are a buddha to me

Aufgrund der Ansagen im Morgenkreis, einem Gespräch mit einer der meine Künstlerecke gefällt  und der Vorstellungsrunde haben wir dann schließlich das gesungen:

Den letzten song hatte ich in der Uttinger Sangha getestet, und da kam schon ein Kommentar „Das ist ja Hit-verdächtig!“, und tatsächlich entwickelte sich das Lied zum Hit des Wochenendes! Wir sangen es insgesamt 4 Mal! Zu Beginn des Morgenkreises am Samstag, dann startete ich damit meine Gesprächsrunde am Samstag Nachmittag. Und dann nochmal am Ende der Abschlussrunde. Ich hatte meine Gitarre und Noten schon eingepackt, und leitete das Singen dann mit der Luftgitarre an. Ich hätte vielleicht den Text nochmal ansagen sollen, denn das … Dharma … und die … Sangha … wurden gerne vertauscht, und auch die Pausen gerieten zu kurz, wodurch ich immer wieder aus dem Takt geriet. Aber die Menschen hatten sehr viel Freude daran, das Lied zu singen. Bruder ChiSing war so im Geiste bei uns!

Klospülung im Lotus

Bei meinem 4-wöchigen Aufenthalt hatte ich ja provisorisch den Kippschalter der Klospülung im Zimmer namens „Lotus“ repariert, und im September nochmal nachgearbeitet. Doch jetzt funktionierte es immer schlechter und schließlich gar nicht mehr. So hab ich dann den Deckel ganz entfernt, damit man den schwarzen Hebel direkt betätigen kann. Demnächst kommt aber ein ganz neuer Spülkasten rein!

Veganer-Stammtisch

Die Anzahl der Veganer hat sich seit letztem Jahr nicht wirklich erhöht, ich war von den 41 Teilnehmern immer noch der einzige. Aber zum Glück hatte ich Unterstützung von einer lieben Freundin aus dem Westerwald, sodass wir wieder einen Veganer-Stammtisch etablieren konnten. Ich hatte auch meine veganen und glutenfreien Lebkuchen mitgebracht, ich glaub, sie haben ihr ganz gut geschmeckt. Sie hatte ja letztes Jahr in Passau auf der Durchreise einen Laden entdeckt, der vegane Lebkuchen verkaufte, und sie hatte damals geschwisterlich geteilt. So konnte ich mich diesmal revanchieren.

cover_9783899012026Zufälligerweise stand beim Vortrag am Samstag das Buch „Die Welt ins Herz schließen“ von Thay im Mittelpunkt. Darin beschreibt er die immer noch ziemlich unbekannte Tatsache, dass die Tierhaltung für die Milch- und Käseindustrie genau soviel klimaschädliche Gase erzeugt, wie der gesamte Verkehr auf der Welt! Das Methan, das die Kühe ausscheiden ist zwar mengenmäßig geringer, aber viel klimaschädlicher als das Kohlendioxid des Land-, Luft- und Wasser-Verkehrs. Thay appelliert daher eindringlich dafür vegan zu werden, und hatte schon in seinem Brief im Jahre 2007 verkündet, dass alle seine Klöster auf vegan umstellen. Nur weil das Intersein-Zentrum kein direktes Kloster von Thay ist, gibt es dort immer noch Kuhmilch zum Frühstück, Kuhjoghurt zum Essen und Aufläufe werden mit Kuhkäse überbacken. Glücklicherweise gibt es meist ein Eckchen auf dem Blech, das frei von Eutersekreten ist und als „vegan“ ausgezeichnet wird. Auch vom „bayer. Tiramisu“ gibt es eine kleine vegane Variante, die immer als erstes weg ist, weil alle davon probieren wollen. Ich hab diesmal ein Stück ergattert, es war super lecker! Eine gute Werbung für veganes Essen!

Nachtwanderung

Edith wollte gerne eine Nachtwanderung machen, und so verführte sie mich dazu die zweite Runde der Abendmeditation zu schwänzen und stattdessen den Sternenhimmel ohne Großstadtbeleuchtung zu bewundern. Am auffallendsten war der halbe Mond, der so hell leuchtete, wie am Ammersee der Vollmond, und lange, scharfe Schatten warf. Weil ein leichter Hochnebel über der Gegend lag, war an diesem Abend die Sicht auch nicht ganz so toll, so konnte man die Milchstraße nur erahnen. Der eiskalte Wind pfiff so grauslig, dass wir bald schon umkehrten, unter dem Schutz des aufgehenden Orion und erleuchtet vom Halbmond.

Zendo-Dienst

Wie bei jedem Retreat der letzten Jahre sollte ich auch diesmal wieder den Zendo-Dienst anleiten, ich melde mich mittlerweile schon freiwillig. Auf der Liste war Platz für 4 Helfer, aber anfangs wurde ich nur von 2 hilfsbereiten Menschen unterstützt. Später gesellten sich dann aber noch einige dazu, sodass wir die 38 Liegeplätze für die Tiefenentspannung in der Rekordzeit von 21 Minuten auslegten und dabei die Matten sogar noch mit dem Staubsauger absaugten!

Die Früchte der Praxis konnte ich am Freitag zur Abendmeditation ernten. Ich legte 41 Plätze aus, und brachte diese gerade noch so in das große Zendo rein. Die Hausgemeinschaft und andere Gäste waren am Morgen nicht dabei gewesen, und früher war es auch üblich gewesen, dass sie im kleinen Zendo im 2. Stock einen eigenen Meditationskreis machten. Doch kurz vor Beginn der Abendmeditation strömten immer mehr Leute in den eh schon rappelvollen Raum, ich versuchte sie auf die noch freien Plätze zu verteilen, aber Stühle sind nicht bei allen Meditierenden beliebt! Weil der Platz vor dem Altar und auch zwischen den beiden Reihen aus traditionellen Gründen tabu ist (das wurde in den letzten 19 Jahren nie so gemacht, und ich wollte nicht der erste sein, der dafür einen Rüffel bekam) legten wir im hinteren Bereich auf jeden freien Flecken Matten kreuz und quer, und darauf irgendetwas, das als Kissen dienen konnte (denn es gab unten auch nicht genügend Sitzkissen für alle). Ich vermute, an diesem Abend waren 48 Menschen im Zendo, wohl ein neuer Rekord!?

Das interessante dabei war für mich, dass in mir überhaupt kein Ärger oder Anspannung hochkam! Ich blieb ganz gelassen, tat was möglich war, indem ich auf die freien Stühle hinwies, und dann aber alles verfügbare Material herbeischaffte.

Am nächsten Abend fragte ich dann vorher, wer von den anderen Gästen zum Meditieren kommen wollte, und legte zusätzliche 8 Plätze im Nebenraum aus, der durch die offene Schiebetür miteinbezogen werden konnte. Es wurden dann zwar nur 2 Plätze davon gebraucht, aber man hatte nicht mehr das Gefühl von Enge, sondern eher „Fülle“.

Resüme

Ich konnte diesmal den Aufenthalt von Anfang bis Ende genießen, wohl auch, weil ich meine Mitarbeit auf Bambusstock-Qigong, Zendo-Dienst und eine Gesprächsrunde beschränkt hatte. Auch ließ ich Vortrag und die Tiefenentspannung ausfallen, was das Ganze sehr entspannte. Und nicht zuletzt zeigte die Erfahrung mit der übervollen Abendmeditation, dass „die Praxis funktioniert“, wie Tara früher zu sagen pflegte.

Advertisements

Ein Kommentar zu „Sangha Wochenende im Bayer. Wald – die Praxis funktioniert!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.