Vegane Nervenkekse nach Hildegard

Vor zwei Jahren war ich auf einem Hildegard-Fasten im Kloster Plankstetten, und die Kursleiterin lehrte uns jeden Tag über die Heilkunst der Heiligen Hildegard von Bingen und erwähnte auch die positive Wirkung der Nervenkekse. Im Klosterladen gabs die auch zu kaufen, schmeckten gut und taten gut, aber wieder zuhause hab ich sie in keinem Laden mehr gefunden. Zeit zum Selbermachen…

Gugl sei Dank findet man heutzutage mit der Suche „Vegane Nervenkekse Hildegard“ mehr Treffer, als man backen kann, und ich hab mir zwei davon ausgesucht, die beide einfach und vielversprechend klangen:

Letztere hat noch eine Menge Hintergrundinformation über Veganisierung von mittelalterlichen Rezepten uvm., sie schreibt über die Nervenkekse:

„Warum Nervenkekse? Die Antwort ist so simpel wie naheliegend: Weil die knusprigen Cookies dazu gedacht sind, überstrapazierte Nervenkostüme zu beruhigen. Die Wirkung der Nervenkekse speist sich – so die Heilige Hildegard – aus ihrer starken Gewürzkomponente. Und in der Tat werden hier Nelke, Zimt und Muskat in für den modernen Geschmack unerhörten Mengen verarbeitet.“

Über die Heilwirkung ist im Internet viel zu lesen, z. B. bei smarticular oder heilkräuter.de.

Wie schon öfters habe ich beide Rezepte zusammengefahren und die Mengenangaben für mich zurechtgelegt. Hier sind die Zutaten:

Zutaten für ca. 34 Stück (dick ausgerollt, 5 mm, eng gelegt für 1 Backblech)
300 g Dinkelmehl fein gemahlen (Vollkorn)
100 ml Kokosöl ("butter"-weich oder flüssig)
90 g Kokosblütenzucker (ich hab Birkenzucker genommen)
60 g Mandeln zusammen mit 
1 geh. TL Nelken - 10 sec in Kaffeemühle
1 gestr. EL (7 g) Zimt z.B. Cassia
5 g Muskat (1 ganzes Stück (!) oder 1 gestr. EL gemahlen)
1 Prise Salz
4 EL Leinmehl (40 g) - 10 sec in Kaffeemühle
100 ml Reis- oder Mandelmilch
Ober-/Unterhitze auf 200°C (bei mir 220°C)  10 Minuten

Vom Mehl her war ich etwas verwirrt, weil im anderen Rezept eine Mischung aus DVKM und 1050er verwendet wird ich aber nur 630er daheim hatte. Daher hab ich 120g von dem 630er genommen und 180g frisch gemahlenes Urdinkelvollkornmehl. Aber wenn ich das hier so lesen, hört es sich an wie komplettes Vollkornmehl. Hat schon mal jemand diese Kekse mit Vollkornmehl gebacken?

Weil heute am 1. Weihnachtsfeiertag alle Läden geschlossen haben, musste ich bei einigen Zutaten etwas improvisieren: Die Mandeln hab ich selber in einer kleinen Küchenmaschine gehackt, und dann in einer elektrischen Kaffeemühle fein gemahlen.

Spannend war das Muskat. Eine ganze Nuss mit der Hand zu reiben wäre schon möglich gewesen, aber da hätte ich mir vielleicht die Finger blutig gerieben – und es sollte doch vegan sein 😉 Da fiel mir ein, dass ich vor Jahren mal eine billige Kaffeemühle im Supermarkt gekauft hatte, weil ich damit meinen Dinkel fürs Frühstück schroten wollte. Ich hab die Muskatnuss mit dem Messer grob in Stücke geschnitten, und dann in ca. einer Minute sehr fein gemahlen bekommen.

Leinmehl hatte ich auch nicht, und konnte auf die Schnelle keinen Ersatz gugln, aber den Tipp hab ich gefunden, es selber zu mahlen, auch mit dieser Kaffeemühle.

Das Dinkelvollkornmehl hab ich selber gemahlen und das 630er dazugemischt. Alles zusammen schaut dann so aus:

Im Rezept standen nur 60 ml Milch, aber das war zu trocken beim kneten, also hab ich noch mehr dazu und genau abgewogen. Weil ich auch 90 g statt 60 g Birzenzucker verwende, sind es in Summe also 100 ml Milch (mit meinen Mehlen).

Jetzt gehts ans Ausstechen:

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Hat ganz gut geklappt. Das mit dem Kokosöl merk ich mir auch für andere Platzerl! Das sind übrigens 38 Stück und ich hab noch ein Blech fast voll gemacht. Den Teig hab ich ca. 4mm dick ausgerollt, weil kein Backpulver drin ist, sind sie auch kaum aufgegangen. Später hab ich dann dicker ausgerollt, mit engem legen passen dann alle auf ein Backblech.

Dafür hat’s in der Küche schon sehr berauschend gerochen, das Muskat hat offensichtlich eine psychogene Wirkung! Ich hab sicherheitshalber den Dunstabzug eingeschalten und die Terrassentür aufgemacht, nicht dass ich noch high werde!

Nach 10 Minuten waren die Herzchen dann sogar schon fest, das hätte ich wegen dem Kokosöl nicht erwartet.

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Ich hab aber meine Neugier gezügelt, bin erst noch eine Runde Nordic Walking gegangen, dann gings ans Probieren:

Ja – etwas gewöhnungsbedürftig. In einem der Rezepte stand ja schon ein Warnhinweis, dass die Gewürzkomponente sehr stark ist, und wenig Zucker. Hildegard hat es ja auch als Medizin gedacht! Aber nach 3 Stück hätte ich gerne noch mehr gegessen! Doch mehr als 3 darf man pro Tag nicht Essen, wegen dem Muskat. Ich weiß zwar nicht, was dann passiert, aber ich teile sie mir jetzt ein, und die Hälfte geht per Post an einen sehr lieben Menschen. Geteilte Freude, ist doppelte Freude.


Nachtrag: Das mit den 3 Keksen gilt wohl nur, wenn man die Original-Mengen an Gewürzen bei Hildegard verwendet, dann sind es ca. 100 g nur Gewürze!!! Hier sind es nur ca. 15 g, davon nur 5 g Muskat. Man könnte also das ganze Blech auf einmal essen.

 

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