Absturz

Am 2. Januar 2019 bin ich abgestürzt – mit meiner Hängematte. Hier beschreib ich die Hintergründe und was ich jetzt besser gemacht habe.

Schon vor einigen Jahren hatte ich für meine Hängematte eine Aufhängung an der Decke geschaffen, um bei schlechtem Wetter (und insb. im Winter) auch drinnen abhängen zu können. Für mich ist das die schönste Erholung in der Hängematte zu schaukeln, das fühlt sich an, wie über den Wolken schweben. Als ich dann am zweiten Tag des neuen Jahres gerade meinen Mittags-Power-Nap beendet hatte, und voller Elan aus der Hängematte steigen wollte, bin ich wie aus heiterem Himmel auf den Boden gekracht.

Ich halte mich beim Ein- und Aussteigen immer oben an der „Ridgeline“ fest, und der Absturz ging so schnell, dass ich keine Zeit hatte um den Sturz irgendwie abzufedern. Ich spürte gleich einen großen Schmerz an der linken Hüfte, und legte mich erstmal flach hin. Hoffentlich ist nix gebrochen! Der Orthopäde hatte mich vor Jahren mal gewarnt keine Sportarten zu machen, bei denen man hinfallen könnte, weil ich eine Fehlstellung der Hüfte habe, mit einem komischen spitzen Fortsatz, der leicht abbrechen könnte.

Es war aber offenbar nix gebrochen, denn ich konnte aufstehen, und auch ein bisschen herum humpeln. Aber es tat sau-weh. Bis jetzt, fast 2 Wochen danach, spüre ich es noch, wenn ich mich auf das „Örtchen“ setze!

Schadensanalyse

Die dicke Stahl-Ösenschraube war am Ansatz glatt durchgebrochen!

Ich hatte immer wieder das Seil kontrolliert, ob es sich vielleicht abscheuert, aber dass der dicke Stahlhaken abbricht, damit hab ich nicht gerechnet (und es wäre auch von außen nicht erkennbar gewesen). Die statische Belastung ist gar nicht so groß, auf einen Dübel geht die Last vom halben Körpergewicht, also max. 45 kg nach unten, und etwa genausoviel in horizontaler Richtung. Das Verhängnis war aber wohl die dynamische Belastung, durch das Schaukeln.

Außerdem ist mir eingefallen, hatte ich vorher diese Ösenschrauben verwendet um mein Kanu an der Decke zu befestigen. Dazu hatte ich ein paar Kettenglieder in die Öse eingehängt, und dazu mit dem Schraubstock und viel Kraft die Öse auf- und wieder zugebogen. Beim Entfernen der Kette das gleiche wieder. Das ist ihm wohl nicht gut bekommen?

Um zu sparen hatte ich damals diese alten Ösenschrauben wiederverwendet. Sie kamen auch mit einem 8er Dübel aus.

Erster Reparaturversuch

Auf das Schaukeln in der Hängematte möchte ich auch im Winter ungern verzichten, daher bin ich gleich am nächsten Tag noch in den Baumarkt und hab nach einer stabilen Lösung gesucht.

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Nach einigem Hin- und Her hab ich mir dann 2 von diesen gedrehten Haken zugelegt, mit denen man wohl Sandsäcke fürs Boxtraining anschrauben kann. Dazu einen Messing-dübel, der einen sehr soliden Eindruck machte. Der Haken war zwar ziemlich lang, aber ich hatte vor einfach ein tiefes Loch zu bohren und den Dübel außen zu platzieren und bis zum Anschlag einzudrehen. Weil der Messingdübel einen Außendurchmesser von 12 mm hatte, musste ich mir noch einen solchen Bohrer für meinen Bosch Bohrhammer kaufen!

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Leider funktionierte das nicht so wie geplant, denn schon nach wenigen Drehungen im Beton ließ sich die Schraube nicht weiter rein drehen.

Als Resultat ragte der Haken viel zu weit nach außen. Um einen Sandsack aufzuhängen, mag es vielleicht gehen, aber ich hatte ja eine schräge Belastung durch die Hängematte, und dazu noch Schaukeln. Da wäre der nächste Ermüdungsbruch vorprogrammiert.

Mit mulmigen Gefühl legte ich mich von nun an in die Hängematte, der linke Hintern tat immer noch weh, und ich legte mir sicherheitshalber zwei Polsterkissen unter. Da muß eine bessere Lösung her, doch nur was?

Die ultimative Deckenbefestigung: Heavy Duty!

Was man heute im Internet gugln kann, ist einfach erstaunlich. Ich fand sogar mehrere ordentliche Lösungen um schwere Sandsäcke, Hängestühle und eben auch Hängematten an der Decke zu befestigen. Offenbar bin ich nicht der einzige Verrückte, der auf so eine Idee kommt!

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Die meisten Lösungen haben 4 oder 3 Befestigungsschrauben, ich dachte allerdings mit Grauen daran zurück, wie ich damals Probleme hatte, überhaupt EIN Loch in die Decke zu bekommen, ohne auf eine Eisenarmierung zu stoßen. Es gibt aber auch eine Befestigung, die mit nur 2 Schrauben auskommt, und die beiden Spezial-Betondübel machen auch einen sehr gediegenen Eindruck. Heavy Duty Deckenhaken von Seleware für 450 kg Belastung! Mit 12 mm Durchmesser konnte ich auch meinen vorher gekauften Bohrer wiederverwenden.

Um die Belastungsspitzen im wahrsten Sinne des Wortes abzufedern, hab ich mir auch noch 2 Heavy Duty Anti-Shock Stahlfedern dazubestellt, an die man 100 kg schwere Sandsäcke befestigen könnte.

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Heute wars dann soweit, 1 h vor Beginn der Mittagsruhe fing ich an zu dübeln. Genau wie damals traf ich immer wieder auf die Stahleinlagen! Die Decke schaut aus, wie ein Schweizer Käse!

Erst nachdem ich alles ein Stück von der Wand weg verlegt habe, war ich in der Lage zwei Bohrungen im richtigen Abstand anzubringen.

Die erste Bohrung ging rein wie Butter, aber auch die zweite blieb wieder stecken. daher um 2 cm versetzt nochmal ein Loch, das ging dann rein – juchuu! Das Überkopfbohren mit 12 mm in Beton ist auch ziemlich anstrengend – puh! Gut, dass ich mich jetzt beim Bloggen erholen kann 😉

Zum Reinschrauben konnte ich auch noch meine Ratsche verwenden, sie hatte gerade noch einen passenden Einsatz mit 13er Schlüsselweite. Viele Umdrehungen konnte ich aber auch hier nicht machen, bevor sich die Schraube festbiss.

So schaut dann meine heavy duty Hängematten-Befestigung aus:

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Auf dem Foto schauts zwar ein bisschen schief aus, aber in echt ist alles gerade und macht einen sehr soliden Eindruck. Als Zwischenstück um das Seil zu befestigen hatte ich beim letzten Reparaturversuch schon 2 Stahlringe gekauft, um ja jedes Scheuern der Schnur zu verhindern.

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Als Knoten habe ich – nach einiger Recherche auf Youtube und Wiki – wieder einen Palstek (Bulin, Bowline) verwendet. Ich hatte zwar gelesen, dass beim Sport-Klettern nur noch der Achterknoten zulässig wäre, aber nur deshalb, weil der auch seitliche Belastungen verträgt. Das kommt bei mir aber nicht vor. Abgesehen davon wäre der Palstek der Knoten, der das Seil am wenigsten schwächt, also für mich erste Wahl. Auf eine zusätzliche Yosemite-Sicherung hab ich dann doch verzichtet, weil es heißt, wenn man die falsch macht, dann kann sich der Knoten lösen. Also nur ein einfacher Stopperknoten um das Gewissen zu beruhigen und gut is.

Ein erster Test – fühlt sich gut an. Hält. Durch die beiden Stahlfedern spür ich tatsächlich bei jeder Gewichtsverlagerung in der Hängematte ein leichtes Federn – sehr angenehm!

Da kann ich wieder lachen 🙂

Wielange das Seil wohl hält? Und die Hängematte selbst? Hoffen wir das Beste!

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Ein Kommentar zu „Absturz

  1. Oha, hoffe, dem „linken Hintern“ geht‘s wieder gut!?

    Zum Thema „Fehlstellung der Hüfte (und anderer Knochen/Gelenke)“ habe ich gerade die Tage einen seeeehr interessanten Text gefunden: https://koerpertherapie-zentrum.de/schmerztherapie-ohne-chemie.html
    Orthopäden machen es sich schon ganz schön leicht….
    Sehr spannendes Thema und bei dir ist ja sogar das „Original“ in der Nähe. Ich möchte mich mit der Methode jetzt endlich meiner leichten „Traumahaltung“ widmen, die mir bei längeren Meditationen immer wieder arge Schulterschmerzen bereitet und mich zur Zeit an heftigen Zahnschmerzen knabbern lässt.

    Gefällt 1 Person

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