Abenteuer am Georgenstein

Heute an meinem Hildegard Brotfastentag hatte ich mal eine leichte Tour mit dem MVV geplant: Mit der S7 nach Baierbrunn, dann zur Isar runter und zum Georgenstein und wieder hoch nach Buchenhain. Soweit der Plan, …

baierbrunn georgenstein buchenhain 2An der S-Bahn-Station in Baierbrunn waren entgegen meiner Erwartungen keine Schilder zur Isar zu sehen. Also zückte ich mein Samsung und folgte dem blauen Pfeil vom OsmAnd Navigator Richtung Buchenhain. Mitten durch einen Bauernhof wollte ich dann doch nicht, aber da entdeckte die Bahnhofstraße, die könnte ich nehmen. Erst spät an der Hauptstraße bemerkte ich, dass er mich den kürzesten Weg nach Buchenhain führen wollte, an der Hauptstraße entlang, und nicht an der Isar! Mit meinen kalten Fingern gelang es mir auch nicht ihn davon abzubringen.

Aber ich entdeckte auf der Karte einen gestrichelten Pfad am Ende der Bebauung an der Hermann-Roth-Straße. Als ich dort war, konnte ich hinter einem riesigen Schneeberg eine Spur im Schnee erkennen. Das muss es sein! Mit meinen Nordic Walking Stecken als Hilfe überwand ich das eisige Hindernis und folgte den Spuren wie ein Pfadfinder.

Nach ein paar Serpentinen stand ich plötzlich in der Sackgasse: Mehrere Buchen waren umgefallen und hatten den Weg komplett blockiert. Vor Überraschung vergaß ich sogar das Fotografieren. Weil der Hang vom Isartal so steil war, konnte man auch nicht einfach drumrum gehen. Und drüberklettern schien mir zu riskant, zumal alles sehr rutschig aussah. Die (frischen) Spuren gingen aber geradeaus weiter. Entweder sind die Bäume erst vor kurzem umgefallen, und/oder der Wanderer lag unter den Bäumen begraben!

Weil ich weder auf Leichensuche gehen wollte, noch umkehren, suchte ich mir ein Stück zurück einen Weg den Steilhang hinab. Ich konnte sogar weiter unten die Fortsetzung des Pfades erkennen, der Wanderer hatte also doch überlebt! Bis dahin waren es aber gut 5 Meter fast senkrecht nach unten!

Zum Glück war der Schnee recht griffig, so ein richtiger Pappschnee. Also kletterte ich auf allen vieren mit dem Bauch zum Berg und mit nur wenig rutschen die Steilwand hinab. Danach ging es weiter steil bergab und ich war sehr erleichtert, als endlich die Isar in Sicht kam. Einige Meter weiter lud mich eine Bank am Ufer im fahlen Sonnenlicht zu einer ersten Rast ein. Obwohl ich erst wenige Minuten unterwegs war, verdrückte ich schon 2 meiner 3 Fasten Dinkelvollkornsemmeln und einen Apfel. Dazu gabs heißen Ingwertee.

Jetzt kam ich endlich auch zum Fotografieren, eine Landschaft, schön wie in Kanada!

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Ich überlegte schon, ob ich statt nach Buchenhain gleich bis Höllriegelskreuth weitermarschieren wollte, denn ich fühlte mich wieder sehr fit.

Am Georgenstein hielt ich mich nur kurz auf, ich hatte ja gerastet, und es war wieder kühler geworden. Aber schee isser scho!

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Aber schon nach ein paar Metern kam das nächste Hindernis: Wieder waren einige Bäume umgefallen, diesmal Fichten, und rechts und links sah es duster aus!

Diesmal wollte ich aber mitten hindurch, die Äste standen relativ weit auseinander, die Stämme lagen halbwegs waagrecht, und waren zwar verschneit, aber nicht vereist.

Beim Durchklettern riss aber irgendwie mein Rucksack auf, und der Inhalt landete zwischen den Baumstämmen. Thermoskanne, Decke, Iso-Unterlage und Taschentücher konnte ich aber schnell wieder aufklauben, und sogar der Reißverschluss war nicht kaputt gegangen, sondern ließ sich von der anderen Seite wieder schließen! Noch mal Glück gehabt.

Ein paar Schritte später lagen wieder ein paar Buchen über den Weg!

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Meine Handykamera hatte ich jetzt schon immer griffbereit, um alle Hindernisse zu knipsen.

Als ich schließlich beim Isar-Wehr angekommen war, zog ich nochmal mein OsmAnd zu rate. Wenn das so weiterging, dann brauchte ich ewig bis Höllriegelskreuth. Und eine Schnee- und Regenfront sah ich auch schon auf dem Radarbild auf mich zukommen.

Das Navi zeigte mir einen kurzen Weg das Isarufer hoch zur S-Bahn Buchenhain. Also gut, genug für heute, aber wo ist dieser Weg? Wie üblich kein Schild weit und breit, aber wieder mal eine Trampelspur im Schnee. Ich dachte, da wäre nur jemand zum Pinkeln ins Gebüsch, aber das war wohl der Wanderweg zur S-Bahn!

Also frohgemut den Spuren gefolgt, so ging es über kleiner Bäume und Äste den steilen Weg nach oben. Da war schon der Klettergarten zu sehen, und rechts daneben ein Holzgeländer. Juchuu, das ist der richtige Weg. Aber zu früh gefreut! Kurz vor dem Ziel versperrte eine rot-weiße Absperrung den Weg, daneben ein Schild: Treppe wegen Glätte gesperrt!

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Und jetzt? Soll ich den Berg wieder runter und doch weiter nach Höllriegelskreuth? Wer weiß, was da noch alles für Hindernisse kommen? Oder ganz umkehren, und die Steilwand wieder hoch? Unmöglich!

Der Wanderer vor mir hatte die Absperrung ignoriert, und so bin ich weiter seinen Spuren gefolgt. Von einer Treppe war nix zu sehen, der Schnee war zu hoch dafür. Zum Glück aber auch wieder schön griffig, sodass ich mit meinen Bergschuhen Stufen reinschlagen konnte. Das hatte ich schon mal in einem Film, über einen fehlgeschlagenen Versuch die Eiger Nordwand zu erklimmen, gesehen. Das endete damals für alle tödlich, der letzte kam Tage später an einem Seil hängend ums Leben, nur wenige, aber unüberbrückbare, Meter von seinen Rettern entfernt.

Bei mir ging aber alles gut, und ich wurde mit einigen schönen Ausblicken über die Kletterwand belohnt.

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Bildschirmfoto_2019-02-08_09-15-09 schichtenEine Tafel unter dem Motto „Geologie erleben“ erklärte, dass hier die Schichten von 3 Eiszeiten zu sehen wären, und dazwischen die Warmzeiten! Ich dachte mir, was wohl in ein paar zehntausend Jahren von unserer Schicht zu sehen sein wird.

 

Oben am Hochufer war schon bald die Gastwirtschaft mit Cafe zu sehen, die ich bei der Durchfahrt von der S-Bahn aus gesehen hatte. Ich sah schon einige Leute am Bahnsteig stehen, und beschleunigte meine Schritte. Jetzt war ich doch ziemlich verschwitzt und wollte ungern am zugigen Bahnsteig stehen. Und die Verführung an meinem Fastentag in einem Cafe zu sitzen, umgeben von leckeren Torten und anderem Gebäck, die wollte ich mir nicht antun.

Gerade noch schlupfte ich in die ankommende S-Bahn rein, nicht mal Zeit um vorher ein Ticket zu lösen. Das wollte ich dann innen nachholen. Aber mein Handy war wohl unterkühlt, oder ganz verwirrt über meine Irrwege, denn es zeigte nur schwarz. Also Akku raus und rein – Neustart. Wenn jetzt der Kontrolleur kommt … – aber es ging alles gut, und eine Station später konnte ich schon meine virtuelle Fahrkarte abstempeln. Von da an hätten zwei Streifen gereicht, aber ich war ehrlich und stempelte vier ab, denn ich wollte ja den MVV unterstützen, der mir dieses kleine Abenteuer ohne Dieselabgase und Treibhaus-Emissionen ermöglicht hatte. Dankeschön!

Hier habe ich in rot die Gefahrenstellen und meinen abweichenden Weg eingezeichnet. Das nächste Mal gerade die Bahnhofstraße weiter über die Hauptstraße, dann sollte es sanfter zur Isar runter gehen!

baierbrunn georgenstein buchenhain

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