Resümee #5: Nix tun

Einleitung

„Kann ich auch mal nix tun?“ – dieser flotte song von Joachim Goerke inspirierte mich
seinerzeit ein Jahr Auszeit zu nehmen, voller Sehnsucht doch mal aus dem Hamsterrad auszusteigen, und einfach mal nix zu tun. Doch das nix tun ist schwerer als gedacht!

Ich hatte schnell einige Hobbies gefunden, die meinen Tag ausfüllten: Allen voran Semmeln backen, Brot, Pizza, usw. Daher stellte ich mir bald die Frage:

Was ist Nix-Tun wirklich?

In meinem Beitrag über „Schummel Nichts-Tun“ habe ich das erstmal thematisiert. Ich fand dazu in der Zeitschrift „moment by moment (Magazin für Achtsamkeit)“ Ausgabe 04-2017 ein Interview mit Judith Holofernes über das Nichts tun (Seite 16,17). Ich bin so frei und „klebe“ hier den Zeitungsausschnitt ein, frei nach dem Motto „aufgelesen“ und fahre fort mit dem Koan „Was ist nichts tun?“

Hu, ist ja ganz schön streng, die Dame! Ist Nix-Tun wirklich strenge japanische Zen-Meditation vor der weißen Wand?

Und so machte ich mich weiter auf die Suche nach der Antwort auf die Frage, was denn Nichts Tun wirklich ist und sammelte was ich finden konnte.

Aufgeben etwas kontrollieren zu wollen

Als ich einmal im Intersein-Zentrum ankam, sang uns einer der Gäste dort zu seinem Abschied ein Lied: „I release control„.

2018-08-17-10-00-44-e1534881026506

Das ist eine schöne, mögliche Antwort bei meiner spirituellen Suche nach dem sagenumwobenen „nix tun“, hier wird der Aspekt des „nicht kontrollieren“ betont, ganz im Sinne des „Wu Wei“: Ich lasse die Kontrolle los und gebe mich ganz dem Fluss des Lebens hin (frei übersetzt).

Dazu hatte ich am Tag vorher in der Buchberger Leitn („Klamm“) die passende Naturbeobachtung gemacht: Der Fluss dort fließt zuweilen gemächlich dahin, teilweise kreisen Wasserblasen im Kehrwasser, aber dann stellen sich unvermittelt schroffe Granitfelsen in den Weg, und der Fluß stürzt als Wildwasser in die Tiefe. D.h. er verhält sich so, wie es die Umstände gerade erfordern oder ermöglichen ohne kontrollieren zu wollen.

Apranihita

Ein weiterer Aspekt fand sich während eines Abends mit der Uttinger Sangha. Wir lasen im Buch „Das Herz von Buddhas Lehre“ von Thay (Thich Nhat Hanh) das Kapitel über das 3. Tor zur Befreiung: Apranihita, im Deutschen meist übersetzt mit „Absichtslosigkeit“, „Wunschlosigkeit“ oder auch „Ziellosigkeit“.

Ich habe ganz bewusst keine für die Auszeit keine konkreten Pläne, wie große Reisen oder so, gemacht. Allerdings hatte ich schon eine gewisse Ausrichtung, nämlich in mich hinein zu spüren, was sich dort zeigt, was ich gerade brauche. Ich wollte dem Fluss des Lebens folgen und so handeln, wie es das große Ganze am besten unterstützt. Dabei aber kein fixes Ziel zu verfolgen, das ich zu einem bestimmten Zeitpunkt erreichen müsste.

Gestern ist mir klar geworden, dass dies ein Ausdruck von „Apranihita“ ist, und das ist immerhin ein „Tor zur vollständigen Befreiung“!

Einfach sein im Intersein-Zentrum

Über die 4 Wochen im Intersein-Zentrum habe ich viel geschrieben, darunter auch über einen kurzen Moment von echtem Nichts tun:

Einmal am lazy day (Tag ohne organisiertes Programm) setzte ich mich auf die Parkbank  oberhalb der Wiese. Es war nach dem Abendessen, das Geschirr war gespült, ich frisch geduscht, und zum Schlafen noch viel zu früh, da passierte es: Es gab nichts zu tun!
Mein Blick fiel mal hierhin, mal dorthin, Geräusche berührten mein Ohr, der Wind streichelte meine Wangen und ich war einfach nur da.
2018-08-19 18.10.48

Wie kann ich es erreichen / Hilfestellungen zum Nix-Tun?

Dieser Moment verging aber recht schnell wieder, und obwohl ich die 4 Wochen im Intersein-Zentrum überwiegend im herrlichen Zustand des Im-Hier-und-Jetzt-seins verweilte, das Nichts-Tun kam so schnell nicht wieder. Daher trat die neue Frage in den Vordergrund: Was ist für das Nichts-Tun förderlich? Eine erste Hilfestellung erreichte mich in Form eines facebook Artikels von Susanna:

Was passiert, wenn du dich hinsetzt und nichts tust?
Wem oder was begegnest du?
Probiere es für einen Momente aus.
Antworte nicht mit Erinnerungen aus der Vergangenheit.
Antworte nicht mit Worten aus deinem Verstand.

Diese Frage und das neugierige Betrachten, sind spannender als jeder Krimi.
Es ist jeden Tag anders.
Es verändert sich laufend.

Verweile einfach – so!

Etwas konkreter, der „Rat für Meditierende(Vajragesänge) von Gendün Rinpoche. Den ersten Teil sprech ich mir innerlich bei der Meditation immer wieder gerne vor:

Lasse Deinen Geist in einem Zustand,
der gelöst und zwanglos ist.
Betrachte in diesem Zustand
die Bewegungen der Gedanken,
und verweile entspannt darin.
So wird Stabilität einkehren.
Und dann den 2. Absatz:
Frei von Haften an Ruhe
und ohne Furcht vor Bewegung
sei gewahr, dass es keinen Unterschied
zwischen Ruhe und Bewegung gibt
– Geist entsteht aus Geist.
Eines morgens bin ich ganz besonders ruhig geworden, und hab etwas von dem Strahlen aus dem 3. Absatz gespürt:
Verweile in diesem Zustand, so wie er ist,
entspannt, ohne Ergreifen und ohne Anhaften.
Hierin – der Wirklichkeit, wie sie ist –
wird die Essenz deines eigenen Geistes, Weisheit,
als strahlende Offenheit zum Vorschein kommen.
Das war so schön, da habe ich gleich noch eine dritte session drangehängt um auch den 4. Absatz zu üben:
Du wirst stumm sein vor Staunen
und eine natürliche Ruhe wird sich einstellen.
Doch halte diese Ruhe nicht fest als Etwas,
sondern bleibe natürlich, entspannt und frei.
Ohne geistige Gebilde zu ergreifen oder abzuweisen,
verweile einfach – so.

(Lass es dir vorlesen auf YouTube)

Eine weitere, schöne Antwort auf die Frage: Wie kann ich nix tun?: Verweile einfach – so!

Enjoy the moment

Im EIAB stieß ich auf eine schöne Kalligraphie von Thay:

darunter stand:

„… wir sollten uns Zeit nehmen, den gegenwärtigen Augenblick zu genießen …“

Es geht also gar nicht darum krampfhaft nichts zu tun, sondern das was man tut – oder auch nicht tut – zu genießen! sich dafür aber wirklich Zeit zu nehmen! Das kann durchaus eine Tasse Tee trinken sein, einen veganen Dinkel-Bagel in einer Autobahn Raststätte zu verzehren, oder aus dem Fenster zu schauen. sich dafür aber wirklich Zeit zu nehmen und nicht schon an die nächste Aktivität zu denken. Und diesen Augenblick genießen!

Einfach nur den Moment genießen

Eine schöne Variante davon ist in folgendem Gedicht zu finden:

Das Bild eignet sich zum Ausdrucken und überall hin hängen, immer wieder als Erinnerung.

Ein Kommentar zu „Resümee #5: Nix tun

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